Der große Showdown
Die Kurzgeschichtensammlung “Wanda Wunderlichs seltsame WG-Geschichten” wird als Fortsetzungsreihe in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlich. Dies ist der zehnte und letzte Teil. Wenn Du die Kurzgeschichten von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.
Wanda Wunderlichs seltsame WG-Geschichten:
Der große Showdown

Teil 10 von WG-Geschichten
Wanda erschien zu unserem diensttäglichen Treffen mit grün gefärbten Haaren.
„Oh, wer hat Dich denn umgestylt?“, fragte ich etwas erstaunt. Wanda schien mir nicht der Typ für bunte Haare zu sein.
„Daran ist Waldi schuld. Aber ich will nicht schimpfen, dieses Mal hat es ihn schwer erwischt. Eigentlich ein Wunder, das er überlebt hat.“
„Das klingt tragisch. Zur Tragik passt sicherlich ein Gläschen Wein und ein paar Happen Käse?“
„Kein Alkohol ist auch keine Lösung, sagt Annika immer.“
„Bitte, nach Dir auf den Balkon.“
„Also, wie kommst Du zu grünen Haaren und warum musste Waldi um sein Leben bangen?“
„Es fing ganz harmlos an. Waldi belegt in Soziologie einen Kurs, bei dem es um die Begegnung mit außerirdischen Wesen und die sozialen Implikationen daraus geht. Die machen quasi eine Modelluntersuchung „was wäre wenn“. Wie würde sich die Gesellschaft verändern, wie würde der Einzelne reagieren? Ein ziemlich cooles Thema und Waldi wollte sich dieses Mal so richtig ins Zeug legen und eine gute Note bekommen. Seine letzten Hausarbeiten waren ja nicht so berauschend und er hat Angst, sich die Zwischenprüfung zu versauen.“
„Bisher klingt das alles sehr vernünftig. Ich hätte nie gedacht, das Waldi sich Sorgen um seinen Notenschnitt macht.“
„Selbst Waldi denkt an ein Leben nach dem Studium. Und die Bundeswehr ist nach der Sache mit dem Panzer wohl keine Option mehr. So weit so gut, oder so schlecht. Also Waldi will eine gute Note und hat sich deshalb was ganz besonders ausgedacht. Statt einer schriftlichen Hausarbeit wollte er ein filmisches Projekt verbunden mit einer teilnehmenden Beobachtung machen. Ein soziales Experiment sozusagen. Thema war die erste Begegnung mit Außerirdischen. Die Versuchsobjekte waren Frau Puhvogel und Herr Krösel. Waldi nannte sie die Durchschnittsbürger. Außerdem ist es praktisch, wenn man so ein Experiment gleich im eigenen Haus macht. Keine Anfahrtswege, man muss seine Ausrüstung nicht weit tragen und kann unterm Strich morgens länger ausschlafen.“
Ich lächelte. Also so lief der Hase. Waldi war und blieb eben doch Waldi. Auch wenn er unter die Sozialforscher geraten war.
„Waldi und ich sollten die Außerirdischen spielen. Deshalb die grünen Haare. Annika saß im Raumschiff für die Special Effects und Stefan hat mit der Kamera gedreht.“
„Annika saß im Raumschiff?“, fragte ich lachend.




