Jul
17
2010

Kapitel 10: Montreal

“Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der vierunddreißigste Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.

Kapitel 10: Montreal

Teil 34 von Kanadisch für Spione

Teil 34 von Kanadisch für Spione

Jeremias März war müde. Und ihn schmerzte sein Hinterteil. Er hätte die Socke erst hier in Montreal in die Hose stecken sollen. Nun würde er sie rausnehmen müssen, die Fahrt zum Hotel hielt er nicht mehr aus. Immerhin hatte die Flugbegleiterin ihn bewundernd angeschaut. Doppel-M hingegen war bester Laune.
„Gruber, Sie holen das Gepäck.“
„März, Sie hatten das Sprachtraining. Sie stellen den Kontakt mit den Ortsbehörden her.“
„Chef, wollen wir nicht erst ins Hotel?“, fragte März gequält.
„Wir haben nur wenige Stunden Vorsprung. Wollen Sie etwa die ganze Aktion versauen, nur weil Sie gerne Duschen und Haare waschen wollen? Das ist hier kein Kindergarten, kein Pony-Hof, keine Tupper-Party und auch keine Wellness-Farm!“
„Man, hat der `ne Laune“, sagte Gruber auf dem Weg zum Gepäckband.
„Mmmm“, grummelte März. Er ging betont breitbeinig.
März fragte sich, was Meier nach zwei Stunden Sprachtraining von ihm erwartete. Eigentlich erinnerte sich nur an das Kitzeln im Ohr. Er lächelte. Ein viel versprechender Anfang.

Ins Hotel fahren. Den Fehler hatte er in Genua gemacht.
„Fahren Sie schon mal ins Hotel, ich regele hier alles“, ja das waren damals Wibalds Worte gewesen. Ab dem Zeitpunkt war alles schief gelaufen. Oder vielleicht doch schon viel früher? Hatte er damals schon früher etwas übersehen? Vielleicht hatte er heute denselben Fehler gemacht. Meier zögerte. Bald  würde Cyrillus ankommen. Er hatte keine Zeit für Fehler. Er griff nach den, nun ja, Tabletten in seiner Brusttasche. Nur zur Sicherheit. Er konnte jederzeit eine nehmen. Nicht dass er eine brauchen würde. Nun ja. Noch zwei konnten nicht schaden.

Der Chinese wechselte das dritte Mal während des Fluges auf der Toilette seine Wäsche. Er machte sich Sorgen. Er hatte nur begrenzt saubere Wäsche mit ins Handgepäck genommen. Die Vorräte im Koffer. Ja, das würde reichen. Er wusch sich erneut die Hände. Er fühlte sich schmutzig. Die ganze Welt war schmutzig.

März schaute sich um. Sie wurden erwartet. Das wusste er. Aber wie erkannte man einen kanadischen Bundespolizisten? Eine junge Frau mit Pferdeschwanz in einem äußerst knappen Rock stand im Ankunftsbereich. März lächelte. Das musste Sie sein.
„Herr Meier?“, fragte ein beleibter Herr mittleren Alters mit Schnauzer.
März zögerte. Man konnte nicht alles haben.
„Meier kümmert sich noch ums Gepäck. Mein Name ist März, Jeremias März. Ich bin ihr zuständiger Ansprechpartner.“
„Gordon Blumfontaine, Kontaktoffizier für Europa. Kommen Sie bitte hier entlang, in die Einsatzzentrale. Ich lasse Ihre Kollegen abholen.“ Blumfontaun sprach fließend deutsch. Aber ihm hätte März sowieso nicht „Je t’aime“ zuflüstern wollen. Er erinnerte sich an das Kitzeln im Ohr und sah wehmütig der Frau mit dem Pferdeschwanz hinterher.

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