Mai
14
2008

Himmel und Hölle – Teil 2

Freitag der 13.

Tief, tief unter der Erde. Weit unter dem Grundwasser, unter Gesteinsschichten und Geröllhalden, weit unter den Wohnungen der Lindwürmer. So tief, dass der heiße und flüssige Erdkern Wasser verdampft und Lehm schmelzen lässt. Dann bist Du da. Dort wohnt der Teufel mit seiner Familie. Zwölf Söhne hat er, einer böser und hässlicher als der andere.

Dem ältesten, Luzifer, wachsen kleine Hörner aus der Stirn und Belzebub hat einen Kuhschwanz. Satan tritt auf einen Menschenfuß, das zweite Bein gleicht aber dem eines Ziegenbocks. Leviathan hat grün-schwarze Warzen wie eine Unke. Der fünfte Sohn, Gresil, sieht fast aus wie ein Sterblicher, doch er stinkt wie eine Jauchegrube. Sein Bruder Iblis hat die gelben Augen einer Kröte und Tiufal einen fürchterlichen Hautausschlag. Asmodeus und Astaroth sind Zwillinge, mal sind sie kleine Buben, mal heimtückische Kugelblitze, die alles verbrennen, was in ihrer Nähe weilt. Balberith ist groß und stark, sein Oberkörper ist der eines wilden Stieres, doch er steht und geht auf den Beinen eines Menschen. Isegrim hat große, spitze Ohren wie der böse Wolf und Mephisto, der jüngste Sohn des Teufels, ist so krumm und buckelig, dass selbst die Dämonen der Hölle ganz seekrank werden, wenn sie ihn sehen.

Alle Söhne des Teufels wurden an einem Freitag, den 13., geboren. Ein teuflisch böser Tag und somit ein guter Tag für einen Teufel. Heute ist wieder ein Freitag, der 13. Zudem wird noch kurz vor Mitternacht eine Mondfinsternis erwartet. Deshalb haben sich alle Quälgeister, Dämonen, schwarzen Männer und diebischen Elstern im Wohnzimmer der Teufels versammelt, um auf die Geburt des 13. Sohnes zu warten. Dass dieser in Bosheit, Gemeinheit, Niederträchtigkeit, Verlogenheit und Hässlichkeit alle seine Brüder übertreffen würde, war allgemein bekannt. An einem solchen Tag konnte nur ein mächtiger und diabolischer Teufel geboren werden, ein würdiger Nachfolger für seinen Vater. Die Frau des Teufels hatte bereits während der Schwangerschaft an Windpocken und dicken Beinen gelitten, dazu waren ihr fast alle Haare ausgefallen und sie hatte 30 Kilo zugenommen. Ebenso ein böses Zeichen wie die festen Tritte, mit denen der kleine Teufel in den letzten Tagen gegen den Bauch seiner Mutter gestoßen hatte.

Heute war ein Festtag in der Hölle und Familie Teufel hatte sich nicht Lumpen lassen. Es gab grüne Milch und Maden, vergorenes Bier und schlechten Brei, Kuhmist und eine hervorragende Flasche Urin. Alle saßen erwartungsvoll auf den unbequemen Sesseln in Teufels Wohnzimmer. Sie aßen und tranken, tanzten und johlten. Umso weiter die Zeit vorrückte und umso näher die Stunde der Mondfinsternis kam, umso aufgeregter schnatterten und plapperten die Höllengestalten. Der Teufel lief nervös auf und ab, schließlich wurde nicht jeder Tag ein neuer Herr der Finsternis geboren.

„Möge er einen Kuhschwanz haben wie Belzebub“, wünschte der Dämon der abgebrochenen Bleistifte dem Teufel.

„Möge Dein Sohn den Fuß eines Ziegenbocks obendrein haben“, sprach der Dämon der verlorenen Haustürschlüssel und prostete dem Teufel mit seinem Glas Urin zu. Der Quälgeist der alkoholbedingten Kopfschmerzen hatte bereits ein oder zwei Gläser mit grüner Milch zuviel getrunken, als er lallte

„Unnd noochs klein’n süßen Hörnersch…, Hörnerchen dazu.“

Und während sie dem Teufel alles Schlechte wünschten, zu seinen Ehren prosteten und einen Toast nach dem anderen aussprachen, schob sich der Schatten der Erde langsam vor den hellen Vollmond.

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