Dez
11
2011

Weihnachtsgeschichte: Tante Annette schenkt ‘ne Klarinette (Teil 2)

Die unsichtbare Bibliothek hat 2011 erstmalig eine Weihnachtsgeschichte für Euch. Die Kurzgeschichte “Tante Annette schenkt ‘ne Klarinette” wird in drei Teilen hier auf dem Blog veröffentlicht. Dies ist bereits der zweite Teil. Teil 1 findet Ihr hier.

Tante Annette schenkt ‘ne Klarinette (Fortsetzung)
Tante Annette war ‘ne Suffragette

Teil 2 von Tante Annette

Teil 2 von Tante Annette

Wachmeister Miesepeter bekam einen hochroten Kopf, als er die SMS las. Was? Drogen in seinem Dorf? Und auch noch so kurz vor einem beschaulichen und friedlichen Weihnachtsfest? Das durfte nicht sein. Xeihnachuen. Von so einem Ding hatte Miesepeter noch nicht gehört.

Was Drogen sind, wollt ihr wissen? Nun, Drogen sind furchtbar ungesunde und verbotene Stoffe mit einer sehr gefährlichen Eigenschaft. Wenn man einmal davon kostet, muss man immer mehr davon haben. Das nennt man dann drogenabhängig. Auf jeden Fall sind Drogen nichts für nette Urgroßneffen wie Paul, schöne Dörfer wie das von Wachmeister Miespeter oder beschauliche Feste wie Weihnachten.

Da Wachmeister Miesepeter nicht wusste, was Xeihnachuen ist, rief er den alten Wachmeister Miesepeter an. Der alte Miesepeter war Miesepeters Vater. Aber auch der hatte noch nichts von einer Droge namens Xeihnachuen gehört. Wie auch? Tante Annette hatte sich ja nur vertippt und wollte eigentlich Weihnachten schreiben. Also fragten sie den uralten Miesepeter, der Miesepeters Opa war und ebenso wie sein Sohn und Enkel bei der Polizei als Wachmeister arbeitete. In Tante Annettes Dorf war also jeder Polizist ein Miesepeter.

Da keiner der drei Wachmeister Miesepeter jemanden kannte, der Tamue Annevve hieß und auch der uralte Miesepeter nicht wusste, was Xeihnachuen war, riefen sie kurzerhand die Telefonnummer an, von der die SMS verschickt wurde. Und da meldete sich: Die Tante Annette!

„Die Annette!“, rief der uralte Miespeter und bekam ebenso wie sein Enkel einen hochroten Kopf. „Das hätte ich mir denken können. Die machte schon als junge Frau Ärger. Denn die Annette, die war damals eine Suffragette.“

Was eine Suffragette ist, wollt Ihr wissen? Also, Suffragette ist ein etwas abschätziges Wort für eine Frau, die für ihre Rechte eintritt. Früher durften Frauen nicht zur Wahl gehen und die Suffragetten kämpften für das Frauenwahlrecht.

Und als der uralte Miesepeter ein ganz junger Wachmeister war und die Urgroßtante Annette noch keine Urgroßtante, sondern eine wütende junge Frau mit einem Plakat in der Hand, da hatte der Miesepeter die Annette schon einmal verhaftet.

Was das für ein Grund ist, jemanden zu verhaften, wollt Ihr wissen? Eigentlich gar keiner. Aber damals waren die Zeiten noch andere.

Tante Annette trägt nur eine Sandalette

Der uralte Miesepeter schnaufte, als er mit seinem hochroten Kopf beim Haus der Tante Annette ankam. Er war schon lange nicht mehr so gerannt. Und da er erstmal durchschnaufen musste und auch ansonsten neugierig war, schaute er durchs Schlüsselloch der Tante Annette ins Wohnzimmer.

Und da saß die Annette in ihrem Wohnzimmersessel und trug nur noch eine Sandalette. Die andere hatte sie bereits ausgezogen. Und während der uralte Wachmeister Miesepeter durchs Schlüsselloch schaute, hob die Annette ihren Rock ein wenig an, um auch die zweite Sandalette auszuziehen. Und der uralte Miesepeter, der immer noch durchs Schlüsselloch schaute, bekam einen noch röteren Kopf. Und sein Herz klopfte noch aufgeregter. Dabei stand er jetzt doch ganz still und rannte nicht mehr.

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