Auf der Lauer
“Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der sechste Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.
Kapitel 2: Auf der Lauer

Teil 6 von Kanadisch für Spione
„Und, gibt’s schon was?“
„Nein, alles ruhig.“
„Tja, da drüben ist ein Kiosk, ich geh mal schnell ’ne Bild …“
„Ja, schon gut.“
März war sowieso am liebsten alleine im Überwachungswagen. Er genoss die kristallklare Klangqualität der Abhörwanzen und schaute sich mit heimlicher Freude die Bilder der Überwachungskamera an. Er stellte sich vor, er wäre James Bond in geheimer Mission und ein wenig stimmte das sicherlich. Denn wenn es einen Top-Agenten in der Abteilung Sakrale Kunst gab, dann war er es.
„Mein Name ist März, Jeremias März“, hauchte er in die spiegelnde Abdeckung des Aufnahmegerätes, das geduldig auf einen ein- oder ausgehenden Telefonanruf wartete. Geduld, das war es, was einen Topagenten auszeichnete. Natürlich zeigte das Kino nicht, wie James Bond stundenlang auf einen Verdächtigen wartete. Aber er tat es, genauso wie März jetzt. Gruber war für diesen Job einfach nicht geschaffen. Kein Stil, unsportlich, mit einem dicken Bierwanst und nach seiner Meinung auch nicht gerade helle. März holte seine Dienstwaffe hervor und zielte auf die fettigen Reste von Grubers letztem Mittagessen. Ja, er war ein Tiger, ein gefährliches Tier mit unglaublichen Reflexen. Gruber dagegen war höchstens ein kastrierter Hauskater.
Es klopfte an der Scheibe. März öffnete die hintere Tür des Transporters, vor dem eine junge Frau stand. In ihrem Kinderwagen teilten sich Zwillinge den Platz mit ein paar Einkaufstüten, mit der linken Hand hielt sie ein schreiendes Kleinkind fest.
„Gilt das Happy-Size-Familien-Angebot auch samstags?“
„Hä? Nee, was…“
„Schade, haben Sie denn ein Prospekt für mich?“
„Was für’n Prospekt?“
„Eine Speisekarte für ihre Pizzeria: ‘Pizza-Happy, damit ihre Zunge lächelt’. Hab’ ich noch nie gehört. Haben Sie neu aufgemacht?“
„Ja, aber wir schließen diese Woche schon wieder“, sagte Gruber, der inzwischen mit einer Bildzeitung und einer weiteren Portion Pommes zurückgekehrt war. „Hatten irgendwie Ärger mit dem Gesundheitsamt. So alt war der Fisch nun wirklich nicht. Und an den Eiern kann das bestimmt nicht gelegen haben. So eine Salmonellen-Epidemie kann überall herkommen.“
„Danke. Das mit dem Prospekt hat sich erledigt.“
„Ich persönlich glaube ja, dass der alte Mann ein verseuchtes Eis gegessen hat, bevor er gestorben ist. An unserem Käse kann es nicht gelegen haben, schließlich haben viele Käsesorten Schimmel“, setzte Gruber nach.
Die Dame lächelte dünn und wandte sich zum Gehen.
„MAMA, ich will Eis. Sofort!“
„Justin, hier gibt es kein Eis.“
„Nie bekomme ich was. Du hast mich nicht lieb. Mamaaaa“, drückte der kleine Justin unter Tränen heraus und die Zwillinge im Kinderwagen stimmten gleich ein.
„Da vorne um die Ecke ist eine Eisdiele. Komm, ich kauf Dir ein Eis.“
„Ich will, ich will. Mamaaa… Ich will aber jetzt ein Eis.“
Als sich die Frau unter Sirenengeheul entfernte, sagte März: „Schon die dritte heute. Welcher Trottel kam nur auf die Idee mit der Werbung auf der Tür.“
„Ja, ich bekomme auch immer Appetit, wenn ich den Ü-Wagen sehe.“
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