In der Höhle des Stubentigers
“Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der vierzehnte Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.
Kapitel 5: In der Höhle des Stubentigers
Michael Meier nieste. Er war allergisch gegen Katzen. Die Wohnungsdurchsuchung hatte bisher nichts Verdächtiges ergeben. Nur jede Menge Katzenhaare, die sich unter Schränken und in Ecken zu kleinen Haarknäueln zusammenrotteten und bei offenem Fenster über das Parkett rollten. Anna Cyrillus war perfekt. Sie war wie eine entfernte Bekannte aus der Nachbarschaft: nett, unauffällig, langweilig, uninteressant. Sie wohnte in einem Fachwerkhäuschen, war Mitglied im Kleintierzuchtverein und arbeitete im Heimatmuseum. Ansonsten studierte sie mit mittelmäßigen Ergebnissen an der lokalen Universität Sozialpädagogik, wie tausend andere auch. Sie verhielt sich, nun, unauffällig. Sicherlich fuhr sie schlecht Auto und jeder Zollbeamte der Welt würde die junge Frau in dem altersschwachen, grünen Polo mit zahlreichen verblassten Aufklebern unkontrolliert durchwinken. Meier rieb sich die geröteten Augen. Es fühlte sich bereits an, als würde er ersticken. Er musste aus diesem haarverseuchten Haus raus, dachte er und nieste.
Cyrillus Katze Jutta betrat mit erstaunter Miene das Wohnzimmer, wo ein fremder Mann seltsame Geräusche von sich gab. Etwas verlegen leckte sie sich die Pfoten.
Dann öffnete sich lautlos das Wohnzimmerfenster und Luigi, der Italiener sagte, „War schon offen“.
Er hatte offensichtlich Schwierigkeiten durch das winzige Fenster zu passen. Es stand immer offen, damit Jutta nach Katzenbelieben rein und raus konnte. Meier trat zwei Schritte zurück, so dass er nicht zu sehen war. Zur Haustür konnte er nicht hinaus, sicherlich standen schon Luigis Leibwächter vor der Tür. Auch die Fenster schieden aus, er war gut zwei Köpfe größer als Luigi und nur halb so schlank. Das Wohnzimmer war mit einem Sessel, einer Truhe, einem kleinen Tisch und einem alten, roten Teppich nicht gerade großzügig möbliert. Rechts im Flur stand ein großer, antiker Dielenschrank. Die Scharniere quietschten verräterisch, als Meier ihn öffnete. Er war voll mit bunt zusammengewürfeltem Porzellan und Nippes-Figuren. Luigi war bereits mit dem Oberkörper durch die Fensteröffnung und fluchte auf Italienisch. Anscheinend passte sein Hintern nicht durch. Wenige Sekunden Aufschub für Meier. In der Truhe im Wohnzimmer standen zwei Flaschen Martini neben einem Teddybären. Die Rettung. Er legte sich Martini und Bär auf den Bauch, als er in die Truhe stieg, und schloss den Deckel. Das alte rostige Schloss machte „schnapp“.
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