Nov
24
2008

Eins, zwei, drei, verwählt

Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der neunte Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.

Kapitel 3: Eins, zwei, drei, verwählt

Teil 9 von Kanadisch für Spione

Teil 9 von Kanadisch für Spione

Das Telefon klingelte in einem Vorort. Einem kleinen, unscheinbaren Ort, der von der Stadt aus mit dem Bus zu erreichen ist. Einem Ort, der sich in keiner Weise von vielen anderen Orten in Europa unterscheidet. Liebevoll restaurierte Fachwerkhäuschen, gepflegte Vorgärten, ein Supermarkt, das Heimatmuseum, der Kleintierzuchtverein und ein Neubaugebiet.
„Ich bin Theresa Maria Constanza Elisabetha Monica de Coralle de Musica. Was halten sie von Käsekringeln?“

Anna Cyrillus bekam oft solche Anrufe. Meist waren es Jugendliche, die sich einen Scherz erlauben, verwirrte alten Damen oder kleine Kinder. Hin und wieder war es lustig, mit dem katholischen Wasserwerk oder dem bayerischen Küstenschutz zu sprechen.
„Die mit Gouda schmecken zu süß, die mit Gorgonzola kringeln sich nicht genug. Führt Ihre Bäckerei auch Donuts? Die mit Vanillecreme und Zuckerherzen?“
Der Anrufer legte auf.

Das Lächeln in März Gesicht war selbstzufrieden wie immer, als er Meier mit seinem nagelneuen und sauteuren Design-Fotohandy (das Design besteht in der Hauptsache aus einer besonders unverständlichen Navigationsführung) vom Erfolg der telefonischen Abhöraktion berichten wollte. Ja, er war ein Tiger. Und jetzt hatte er seine Beute im Visier. Allerdings war Meiers Telefon immer noch defekt und März konnte nur eine Nachricht in der Telefonzentrale des BND hinterlassen.
„Und nun? Noch mal ins Hauptquartier fahren und auf Anweisungen warten oder…,“ März lächelte erneut und ein angenehmes Prickeln setzte in seiner Bauchgegend ein, „…die Zielperson sofort ausfindig machen?“

Derweil entbrannte in der Galerie ein Streitgespräch zwischen dem Dicken und dem Dünnen:
„Der Kunde will Donuts?“, der Dünne schaute ungläubig.
„Donuts?“, fragte der Dicke zurück.
„Ja, Donuts!“, dieses Mal riss der Dünne beim Wort Donuts die Augen bedeutungsvoll auf.
„Wirklich Donuts?“
„Natürlich, Donuts… was sind Donuts?“
Das war das Problem mit den geheimen Absprachen und Codewörtern. Kaum hatte man mühsam gelernt, dass Käsekringel gefälschte Ikonen des berühmten russischstämmigen orthodoxen Niederländers Claas van Amsterdam sind, deren wenige existierende Exemplare eifersüchtig im russischen Nationalmuseum in Moskau bewacht wurden, änderte der Chinese wieder den Code und das Lernen ging von vorne los.
„In Fett gebackene amerikanische Krapfen mit Schokoglasur.“
„Wohl kaum.“
„Speicher die Telefonnummer dieses Mal. Nicht, dass Du wieder die Schüssel zerdepperst.“
„Dass Du immer darauf rumreiten musst. So was kann jedem Mal passieren.“
Als die beiden die Galerie verließen, fuhr gerade ein Pizzawagen mit verdunkelten Scheiben und einer seltsamen Satellitenschüssel auf dem Dach ungeschickt aus einer Parklücke und streifte mit der Stoßstange einen Blumenkübel.
„Auf die ganzen süßen Kekse bekomme ich richtig Lust auf was Herzhaftes. Lass uns Pizza essen gehen“, sagte der Dicke zu dem Dünnen.

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