Dez
07
2008

Eins, zwei, drei, verwählt

“Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der zehnte Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.

Eins, zwei, drei, verwählt (Fortsetzung)

Teil 10 von Kanadisch für Spione

Teil 10 von Kanadisch für Spione

März und Gruber sahen sich wissend an. Das Verbrechen lauerte immer und überall. Mit einem Messer in einem dunklen Hauseingang, mit flinken Händen in den Handtaschen der Kaufhausbesucher, in versteckten Kellern mit Farbkopierern und druckfrischen Banknoten. Aber die Individuen, die durch ihre große kriminelle Energie, ihre Skrupellosigkeit und Bösartigkeit auffallen; diese Individuen, die der Abschaum der Gesellschaft sind, verstecken sich im hellen Licht, in restaurierten Fachwerkhäuschen mit gepflegten Vorgärten. Das organisierte Verbrechen ist Mitglied im Kleintierzuchtverein und arbeitet im Heimatmuseum.

Ganz im Glauben, dem gesuchten Sachverständigen und damit den gefürchteten Hintermännern dieser skrupellosen internationalen Fälscherbande auf der Spur zu sein, trugen März und Gruber ihren großen Lauschangriff durch Anna Cyrillus Vorgarten in ihr Fachwerkhäuschen. Während Annas Freiwilligendienst im Heimatmuseum sollten sie eigentlich genug Zeit haben, Minikameras zu installieren, Wanzen in Lampen und Blumenvasen zu stecken und von Katze Jutta beäugt zu werden.

Frau Schmitt und ihr Gatte Franz-Josef sahen sich wissend an. Das Verbrechen lauerte immer und überall. Mit einem Messer in einem dunklen Hauseingang, mit flinken Händen in den Handtaschen der Kaufhausbesucher, in versteckten Kellern mit Farbkopierern und druckfrischen Banknoten. Aber zwei besonders dreiste Einbrecher hatten es sich erlaubt, bei ihrer Nachbarin einzubrechen. Und das direkt vor ihren Augen. Frau Schmitt hatte es immer schon geahnt: Die etwas schrullige Nachbarin mit der Katze ist das ideale Opfer für gemeingefÄhrliche Verbrechen. Allein, hilflos, ledig, weiblich, unbeschützt. Franz-Josef hätte gerne noch ein Stück Kuchen. Aber Frau Schmitt wusste sich zu helfen. Sie ist nicht allein, sie ist erfahren, verheiratet, pflegt einen Damenbart und hat eine Dose Pfefferspray in der Handtasche. Franz-Josef bekommt erst ein Stück Kuchen, wenn er die Polizei gerufen hat. Hätten März und Gruber denn ahnen können, dass dieses Fachwerkhäuschen eines der bestbewachten Objekte der ganzen Bundesrepublik war? An jenem Abend kam Anna allein, hilflos, ledig, weiblich und unbeschützt zu ihrem Fachwerkhäuschen mit dem gepflegten Vorgarten und musste feststellen, dass eine halbe Hundertschaft Polizisten durch ihr Rosenbeet trampelte. Katze Jutta traute sich übrigens die ganze Nacht lang nicht mehr unter dem Schrank hervor.

Eine der besonders schnippischen Sekretärinnen des BND legte am nächsten Morgen Michal Meier einen Zettel auf den Schreibtisch und verließ nur einen Augenblick später mit einen “mpf” auf den Lippen, das alles Angewidert sein, Unwollen und alle Herablässigkeit der Welt beinhaltete, Meiers kleines Kellerbüro. Auf dem Zettel stand: Ihr Telefon ist kaputt. Rufen Sie Agent März an.

Als Meier seine beiden Agenten aus der Untersuchungshaft holte, war ihm plötzlich klar, dass er den ganz großen Fisch an der Angel hatte. Nur wenige Kriminelle merkten überhaupt, dass sie von den gewieften Agenten des BND observiert werden. Er würde den Schreibtischdienst aufgeben müssen, bei so einer heißen Sache sollte er, der Chef, persönlich ermitteln. Wichtig war nun, dass die anderen Geheimdienste und vor allem die “andere Abteilung” Kunstkriminalität nichts von der Sache erfuhr. Dieses Mal würde er nicht die Fäden aus der Hand geben, dieses Mal würde es nicht so laufen wie in Genua. Es reichte bereits, dass er wegen der Sache damals zwei Mal die Woche zum, nun ja, Gesprächsabend musste.

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