In der Höhle des Stubentigers
“Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der fünfzehnte Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.
In der Höhle des Stubentigers (Fortsetzung)
Jutta beobachtete den neuen Fremden besorgt. Auch er gab seltsame Geräusche von sich und trug zudem nur Unterhosen. Seine Jeans hatte er bei dem Versuch, durchs Fenster zu steigen, ausziehen müssen. Fenster waren eindeutig Katzensache. Menschen, die durch Fenster kommen, waren ihr suspekt. Jutta wurde nervös und bekam Schluckauf. Schluckauf machte sie immer noch nervöser. Die Truhe in der Ecke nieste und der Mann ohne Hosen brüllte „Gesundeheit“ aus dem Fenster.
Luigi war wütend. Sein ausgezeichneter Kontakt im BND hatte ihm verraten, dass der Chinese in seinen eigenen, trüben Gewässern fischte. Und das mit einem neuen Sachverständigen, von dem er noch nie etwas gehört hatte. Fritz und dieser Schwabe, das hätte er verstanden. Der arbeitete häufig für den Chinesen. Wenn auch bisher immer im Ausland und nicht auf seinem Territorium. Aber Anna Cyrillus. Wer war das? Luigis Kontakt in BND war auch die Informationsquelle seines neuen Geschäftspartners Pavel. Die neue Konkurrenz hatte für Unstimmigkeiten gesorgt. Pavel bezichtigte ihn sogar, ihn übers Ohr hauen zu wollen. Pavel hatte ihm unterschwellig gedroht. Das gefiel ihm nicht. Scheiße, war Luigi wütend. Aber immerhin konnte er sich an seinen Handlangern abreagieren.
„Eh? Nichtse? Ihr kleine sizilianische Muttersöhnechen habte nichtse gefunden? Mamma mia, ich bine von pastafressende Nullhirne umgeben. Andiamo, los, gehen suchen. Los, los, arbeite!“
Juttas Schluckauf wurde dadurch, dass man sie grundlos anbrüllte, nicht besser. Mittlerweile bebte sie bei jedem „Higgs“ als wolle sie ihr Inneres nach Außen stülpen. Meier hielt sich verzweifelt einen Teddybären ins Gesicht, um nicht noch einmal zu niesen.
Es ist nicht immer leicht, als Handlanger im internationalen Verbrechen tätig zu sein, dachte Peter, der Ire, als er erneut den Keller durchsuchte und dieses Mal auf ein Mäuseskelett stieß.
Luigi widmete sich seiner Designerjeans, die beim Kriechen durchs Rosenbett verschmutzt worden war. Sein Seidentaschentuch war nicht dafür gemacht, Schlammflecken von Kleidung abzutupfen. Dies war kein guter Tag. Und das dumme Katzen-Vieh in der Ecke starrte ihn beharrlich an und blökte und zuckte dabei. Als er sich umdrehte, um nach einer Serviette und Wasser zu suchen, stand plötzlich Pavels rechte Hand Ivan vor ihm. Luigi sah erstaunt auf die dunkle Pistole in Ivans Hand, der Schuss knallte und der Knall drang durch das geöffnete Fenster in gepflegte Vorgärten und restaurierte Fachwerkhäuschen. Jutta kotzte vor Schreck einen halb verdauten Singvogel auf den Fußboden. Schnell, elegant und leise entschlüpfte Ivan durch die Haustür. Luigis drei Muskelmänner stellten wenige Sekunden später fest, dass auch Arbeitsplätze im kriminellen Milieu keineswegs krisensicher waren und gingen nach Hause. Als Michael Meier erneut nieste, hinterließ er einen Rotzfaden am Teddybär.
„Höchst vorteilhaft“, sagte Mr. Smith nur wenige Minuten später, als er den toten Luigi auf Annas Wohnzimmerboden sah. „Unser kanadischer Freund wird wesentlich kooperationsbereiter sein, wenn er vom Tod seines Arbeitgebers erfährt.“
„Also ich hab’ den verrückten Ittaker immer gemocht.“, sagte der Dicke. „Kannte ihn schon Jahre. Und er hat so hart an diesem Akzent gearbeitet. Wisst ihr, eigentlich sprach er Kölsch. Er ist damals …“
„Niemand hat Sie nach ihrer Meinung gefragt. Los, helfen Sie, den Mann zu entsorgen.“
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