Kein Schwein ruft mich an
“Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der elfte Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.
Kapitel 4: Kein Schwein ruft mich an
In einer eigens nur für diesen Zweck angemieteten Wohnung wartete Fritz, der seinen Beruf wohl als freier Paketdienstfahrer angegeben hätte, auf einen Telefonanruf. In seinem Besitz befand sich ein Paket mit einer hervorragend gefälschten Ikonen des berühmten russischstämmigen orthodoxen Niederländers Claas van Amsterdam.
Und er würde diese Ware lieber gestern als heute loswerden. Seit einigen Tagen fühlte er sich verfolgt. Der Konkurrenzdruck bei den Paketlieferanten war groß, gerade wenn es um die Erschließung neuer Märkte ging. Und dem Galeriebesitzer konnte man nicht trauen. Man konnte niemandem trauen, der mit dem Chinesen zusammenarbeitete. Obwohl, das würde auch ihn einschließen. Konnte man ihm trauen? Nun, er konnte sich selbst trauen. Und seinen Sprachkenntnissen. Schließlich reiste er mit seinen Paketen regelmäßig von Spanien über Südafrika, Malta und Norwegen in eine mitteleuropäische Großstadt. Vielleicht sollte er den Arbeitgeber wechseln. Das Angebot des Italieners klang gut. Außerdem war es zu einer Art Jointventure zwischen den Russen und den Italienern gekommen. Da lag sicherlich die Zukunft. Auch der Fälschermarkt hatte sich den Gesetzen der Globalisierung zu beugen. Und Fritz sah sich als Globalisierungsgewinner.
Und noch jemand wartete heute auf einen Telefonanruf. Vielleicht könnte man ihn den Paketempfänger nennen. Oder auch den Kunden. Dabei hatte es allenthalben den Anschein, dass er das ominöse Paket nie selbst besessen hätte, sondern dass er lediglich seine sachverständige Meinung dazu abgab. Erstaunlicherweise schwieg auch hier das Telefon.
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